Graz, am Tag Drei

Objects in the mirror are closer than they appear, steht in den USA auf den Autorückspiegeln – als Warnung, dass einem etwas näher sein könnte, als man meinte.

Der Grazer Bürgermeister Nagel hatte vielleicht dieses Bewusstsein, als er den Amokfahrer in Graz am vergangenen Samstag im Rückspiegel seiner Vespa sah. Er konnte rechtzeitig ausweichen. Der Schock über das Geschehen war ihm bei der Pressekonferenz anzusehen, bei seinem Spagat zwischen dem Umstand, beinahe Opfer geworden zu sein, und der Ausübung seines Amtes als Bürgermeister einer Stadt, die Opfer geworden ist.

Etwas ist anders, wenn man am Tag Drei nach der Amokfahrt durch die Herrengasse geht. Kein Sonnenschein, der Regen tropft von den Dachvorsprüngen der Cafés und Läden, und an so vielen Plätzen am Boden, nahe den Hauswänden, stehen Kerzen und liegen Blumen, mancherorts nur einige, vor der Stadtpfarrkirche ist ein ganzes Meer davon. Ist die Kerzenmenge ein Ausdruck des erfahrenen Leides? Der Platz vor der Kirche, an dem sonst immer eine Bettlerin saß, ist nun mit Kerzen überfüllt. Ein zwiespältiges Gefühl von Wegschauen-Wollen und Hinschauen-Müssen stellt sich ein. Bei der Bettlerin schaute man gern weg, um nicht in Verlegenheit zu geraten, etwas geben zu müssen, gab sich beschäftigt, manche gafften, andere eilten vorbei. Heute sitzt niemand hier vor der Stadtpfarrkirche, der Platz ist leer und tausend Kerzen brennen. Die Menschen bleiben stehen und schauen hin, dorthin, wo sonst die Bettlerin sitzt, wo man sonst nicht gern hinblickt. Sie wollen Anteil nehmen, am Tod der Menschen, die hier gestorben sind: ein Kind und eine Frau. Am Ort des Geschehens fühlt man irgendwie mehr, meint man, fühlt sich irgendwie verbunden in der Stille der Trauer. Vielleicht tut es manchmal gut, dem anderen ein wenig näher sein – ohne Angst, dass es zu nah sein könnte. Die Tore der Stadtpfarrkirche stehen heute weit offen.

Tag Drei nach dem Geschehen: Ein Mann geht mit seinem Smartphone durch die Herrengasse und filmt alles. Wo liegt die Grenze zwischen Anteilnahme und Schaulustigkeit? Wie wär es mit einem T-Shirt: „Graz-Amokfahrt. Ich war auch dabei.“ Und wie verhält es sich mit Straches Posting auf Facebook, bei dem er postwendend versuchte, das Geschehen für seine Zwecke zu missbrauchen? Und den hämischen Online-Kommentaren bei der „Kleinen Zeitung“ als Reaktion auf den öffentlichen Brief einer Studentin. Sie hat Partei für Opfer, für das mit Messern attackierte afghanische Ehepaar, ergriffen, die Nachbarn ihrer Eltern.

Die Geschmacklosigkeit ist einfach manchmal nicht zu überbieten.

Wenn er doch nur nicht so nah wäre, dieser Zynismus, dieser Hass auf Unbekannte(s) und dieses sich Zunutze-Machen des Leides anderer für eigene Zwecke.SAM_1452

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Die Umkehr der Verhälnisse

Ich liebe den Herbst. Am Abend, in der Dämmerung spazieren zu gehen. Die Stadt in ihrem Lichtermeer zu sehen, hier oben, am Hügel. Den Geruch von abgefallenem Laub in der Nase, es liegt am Boden, feucht vom letzten Regen, schützt den Boden. Ich liebe diese Abende, wenn die frühe Dämmerung einfällt und die Konturen der Landschaft miteinander verschmelzen und man nicht mehr mit Sicherheit sagen kann, was nun wirklich ist. Die Erinnerung an die Laternenfeste der Kinderzeit. Es ist eine ruhige Zeit im Jahr, der späte Herbst. Die Bäume, die im Sommer so voll mit Blättern waren, stehen nun wie einsame Gestalten im fahlen Licht und ihre Äste ragen in den Himmel. Wunderschön anzusehen, so gegen das zarte Graublau der kommenden Nacht, messerscharf ragt jeder einzelne Ast in den Himmel.

Eine Umkehr: vom Sommer, der Hitze, der Fülle hin zum Herbst, in seiner unscheinbaren Schönheit, kühl und einsam.

Eine Umkehr: von Machtverhältnissen. Es fühlt sich eigenartig an: Normalerweise jeder in seiner Rolle, erfüllt seine Aufgaben, trägt den Schutzschild der Profession. Doch was geschieht, wenn sich plötzlich, durch ein tragisches Ereignis, diese Machtverhältnisse auf einen Schlag umkehren? Und der, der sonst „oben“ ist, nun Rat sucht. Und durch diese Verwundbarkeit beginnen sich die Schutzschilde aufzulösen. Es kann Nähe entstehen. Ich empfinde es als „Menschlichkeit“, die den anderen wahrnehmen kann, die sich plötzlich nicht hinter der breiten professionellen Rolle verbergen muss.DSC_0122

Die kühle Luft des Abends macht den Kopf einfach frei für Gedanken über das Leben.

Arete und Entelechie

Meine erste Assoziation zu Arete, ich oute mich als nicht-Wissende, ist Aretha Franklin. Und Entelechie? Das klingt nach einer ganz besonderen Glücksmischung. So bin ich nun im 3. Semester meines Studiums an der ash gelandet.

Dann wären da noch Begriffe wie IQ und EQ: gut, diese  Begriffe kennt man als Maßstäbe der Intelligenzmessung, der IQ geläufig aus häufigen Tests zur Bestimmung der Intelligenz des Verstandes, und EQ kenne ich als neueres Schlagwort zur Messung der emotionalen Intelligenz. Doch CQ, AQ, VQ und MQ? Ich lerne im neu angelaufenen Zusatzmodul „Uniquability“, dass es sich dabei als Bezeichnung der Intelligenz der Kreativität, der Anziehung und Sinnlichkeit, der vitalen Intelligenz und dem Sinn für Sinn handelt. Die Gesamtheit aller Teilintelligenzen steht lt. Dueck für den Überbegriff der professionellen Intelligenz. Wer einen hohen PQ (Professionalitätsquotienen) hat, besitzt die Fähigkeit zur Erschaffung von Erstklassigem.

Womit ich bei Arete gelandet wäre. Arete… als dieses wird eine spezielle Gabe definiert, die das Individuum dazu befähigt, seine besondere Aufgabe in vortrefflicher und herausragender Weise zu erfüllen. Arete beruht auf einem Konzept Platons. In diesem Sinn legt Gunter Dueck den Begriff aus.

Entelechie als „das Vollendete innehabend“, eine Anlage zu vollendeten Fähigkeiten, die auf ihre Entwicklung wartet. (Also war ich mit meiner ersten Assoziation gar nicht so weit entfernt.)

Dies sind nun Themen aus unserem Modul der Uniquability dieses Semesters.SAM_4840

 

Ich gestehe, dass ich zu Beginn des Semesters dachte, dass dies ein Seminar aus der (für mich) mittlerweile etwas  abgearbeiteten  Selbstfindungsschublade sei. Doch ich lasse mich gerade auf die Übungen und Fragen des Lehrbriefs ein und stelle fest, dass ich richtig Lust entwickle,auf  meine ganz eigenen, ganz speziellen Fähigkeiten und Vorlieben hinzuhören, dass ich mir Raum und Platz nehme, (völlig – naja fast…) ohne meinen inneren Zensor an meinen Visionen zu basteln.

Insofern, ich bin gespannt, wohin mich dieses Seminar führt und freue mich auf das gemeinsame und auch einsame Arbeiten am Studienplatz.

Und danke an Kirsten, die mich mit ihrem Blogbeitrag wieder animiert hat, selbst Gedanken hier nieder zuschreiben.

 

Wie der Hirntod und ein kleines Theaterstück zusammenfinden

Zeit für mich, wieder ein wenig mein Blog zu pflegen.

Das 2. Semester des Studiums ist beinahe schon wieder um, und so nutze ich die Gelegenheit, ein wenig darüber nachzudenken und einen kleinen Stopp einzulegen.

Gefühlt ist die Zeit wie im Flug vergangen, die Module gaben sich die Tür in die Hand und manchmal war es ein ungestümes Kommen und Gehen. Es galt für mich, zwischen so unterschiedlichen Thematiken hin und her zu switchen, dass mir zwischendurch der Kopf schwirrte und die Finger glühten. Die Module sind herausfordernd und ich könnte mich gut und gerne zu jedem ein ganzes Semester vertiefen.

Meine persönlichen Highlights:

Die erste Teilnahme an einem Literaturwettbewerb ist gewagt. Für alle, die auch daran teilnehmen wollen: „Nordhessischer Autorenpreis„,  bis 17. Juli ist Abgabefrist.

Das Modul „Gesundheit und Schreiben“ brachte mir in vielen Belangen fachliche Weiterbildung, beispielsweise, was die Entwicklung der Krankenhäuser angeht und der Einblick in Gesundheitstheorien. Das letztlich Spannendste an diesem Modul war für mich, sich im Rahmen des Präsenzwochenendes über ein Exponat aus dem medizinhistorischen Museum einer Geschichte anzunähern und aus deren Sicht zu schreiben. Zum einen sich dem Ekel und Grausen, die letztlich in der Entwicklung unserer heutigen Medizin nicht mehr sichtbar sind, zu stellen und anderseits das Schreiben im Museum hautnah  zu erleben. Damit habe ich eine große Bereicherung  für mein zukünftiges Arbeiten selbst erfahren. Mich mit einer subduralen Blutung des Gehirns zu beschäftigen, aus deren Sicht zu schreiben, brachte mich auf das ethische Thema und die Verschränkung der Medizin und dem Hirntod. Wer nimmt sich das Recht, zu sagen und zu bestimmen, ab wann ein Mensch tot ist?  Wie ist die ethische Seite hier zum Thema der Organspende? Zufällig bin ich auf die Seite des Verlages „Grin“ gestoßen, wo einige Diplom-Bacchelor- und Masterarbeiten zu diesem Thema aufgeführt sind.

 

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Foto: pixelio, Rainer Kaupil

„Szenisches Schreiben“: Hätte ich zu Beginn des Semesters damit gerechnet, einen Entwurf für ein eigenes Theaterstück zu machen? Nie im Leben! Dieses Metier war mir bislang so unbekannt wie Grönland, und nun stelle ich fest, wie aufregend und bereichernd und lustvoll diese Arbeit sein kann. Lorenz Hippe  leitet uns Teilnehmer auf unglaublich spielerische Art an, den Weg zu seinem eigenen Stück zu gehen, mit Texten und Fragmenten der anderen zu experimentieren und zu arbeiten. Und so begab ich mich auf die Reise ins Eis und stellte fest, wie vielfältig doch etwas sein kann, was zu Beginn so steril und unbezwingbar erschien. Und um bei dem Bild zu bleiben: sich zu wagen, im Eissee schwimmen zu gehen.

 

Hier das Video des ersten Jugendtheaterstücks von Lorenz Hippe, das mit Cedric Pintarelli 2004 zum ersten Mal professionell uraufgeführt wurde.   „Sky is the limit – ein Graffiti-Stück“

 

Gesundheit und Schreiben

Unter diesem Titel läuft eines unserer Module. Die Präsenz steht erst bevor und derzeit arbeite ich den Lehrbrief mit den vielen Text- und Literaturergänzungen durch. Da ich ja als Sozialarbeiterin im Krankenhaus arbeite, erwartete ich mir natürlich einige Schnittstellen zwischen den Modulinhalten und meiner Arbeitsumwelt.

Worüber ich heute schreiben möchte, ist der Überblick über die Konzepte von Gesundheit und Krankheit, den ich mir in den vergangenen Wochen erarbeitet habe und der mich in seinen Zusammenhängen dann doch ein wenig überrascht:

Obwohl schon viele Jahre im Krankenhausbetrieb tätig, beschäftigte ich mich bis dato nicht mit der Entstehungsgeschichte des Krankenhauses in seiner heutigen Form. Allein um einen räumlichen Überblick über das Klinikum zu erhalten, über sämtliche Stationen, denen ich zugeteilt bin, über die Aufteilung der Funktionen und Hierarchien benötigte ich Jahre, in denen ich dann auch den Ablauf mit Visiten und Entlassungsformalitäten, Auskunftspflichten und Strukturen zu durchblickte.

Krankenhaus hat etwas Steriles, Elitäres, Anspruchs- und Machtvolles, Gehobenes und Weisungsgebendes. Hier findet Forschung und Behandlung, Heilung und Gesundwerdung statt. Im Krankenhaus wird man (meist) gerettet und gesund …

Stimmt das so nun?

Und was heißt nun überhaupt Gesundheit? Ist gesund-sein die Abwesenheit von Krankheit? Die Salutogenese erläutert, dass man nicht einfach gesund ist, sondern sie spricht vom Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, in dem wir uns alle bewegen. Wir sind nicht gesund oder krank sondern haben mit unserem Kohärenzgefühl die Möglichkeit, den Anforderungen des Lebens mit eigenen Ressourcen zu begegnen und die Herausforderungen zu meistern. In vielen aktuellen Beratungsangeboten stolpere ich seither über „Salutocoaches“ oder „Salutovisoren“. Antonovskys Theorie findet in den alternativen Beratungssettings guten Anklang, wobei ich  seine Theorien und Thesen gerade im Hinblick auf die strenge medizinisch/pathologische Sichtweise im Klinikalltag bzw. den Behandlungskonzepten als sehr bereichernd empfinden würde.

Über die Entstehungsgeschichte des Krankenhauses hatte ich bisher wenig Einblick gewonnen. Zu lesen, dass das heutige Krankenhaus, die Krankenanstalt aus dem Umstand hervorgegangen ist, für die Armen und Bedürftigen eine Aufbewahrungs- und Versorgungsstätte zu errichten, dass die damaligen Siechenhäuser diese Funktion inne hatten, später die Lazarette in den Kriegen dies übenahmen, fällt mir wie Schuppen von den Augen.  Später erhielten sie einen Absonderungscharakter mit der Verwahrung von Menschen mit ansteckenden Seuchen, Narren und Irren, Prostituierten, … Aus ungeordneten Strukturen entwickelte sich Macht, Verwahrung und Verwaltung,  schleichend  hin zur sogenannten „totalen Institutionen“, wie Goffman es in seinem Buch beschrieb.

Dass die Behandlung und medizinische Forschung sich erst viel später  in den Krankenanstalten entwickelte und das bis heute nicht wegzudenkende  Instrument der Visiten vor allem auch den Zweck hat(te), die Ordnung und Struktur der Einrichtung zu erfüllen, wurde mir hier klarer. All das wusste ich zwar irgendwie, doch erhält es für mich mit der Lektüre einen Zusammenhang, mit dem damit ein weitaus besseres Verstehen der Organisation einhergeht.

„Totale Institutionen“: schon in meiner Ausbildung als Sozialarbeiterin schrieb ich ein Referat über das Buch Erving Goffmans:

  • Totale Institutionen sind allumfassend. Herkömmliche Beispiele dafür sind Klöster, Gefängnisse, Psychiatrien oder Schiffsbesatzungen. Das Leben aller Mitglieder findet nur an dieser einzigen Stelle statt und sie sind einer einzigen zentralen Autorität unterworfen.
  • Die Mitglieder der Institution führen ihre alltägliche Arbeit in unmittelbarer (formeller) Gesellschaft und (informaler) Gemeinschaft  ihrer Schicksalsgefährten aus.
  • Alle Tätigkeiten und sonstigen Lebensäußerungen sind exakt geplant und ihre Abfolge wird durch explizite Regeln und durch einen Stab von Funktionären vorgeschrieben.
  • Die verschiedenen Tätigkeiten und Lebensäußerungen werden überwacht und sind in einem einzigen rationalen Plan vereinigt, der dazu dient, die offiziellen Ziele der Institution zu erreichen.

Welche Rolle erfüllen Sozialarbeiter in diesen Institutionen? Wohl geleitet vom Wunsch, den Menschen zu helfen, sind wir doch vor allem auch Systemerhalter und arbeiten dem System zu?

In einem Vortrag an der FH Joanneum hörte ich kürzlich den spannenden Beitrag von Herrn Fallend über die Sozialarbeiterin Emmi Miklas und ihre Rolle.

 

Praktikum…??

Das kommende Modul über die Schreibgruppenpädagogik und -dynamik und den wissenschaftlichen Grundlagen steht vor der Tür, ich bin am Durchackern des Lehrbriefes, stelle dabei fest, dass ich vieles davon in meiner Ausbildungszeit der Sozialarbeit gehört habe, manches ist mir im Kopf geblieben, anders dämmert wieder hoch und einiges ist natürlich auch neu. Der Lehrbrief ist für mich sehr gut zusammengestellt und beleuchtet die vielen Aspekte der Gruppenarbeit und Dynamik.

Nur, dann ist da noch ein Teil, nämlich der kleine Teil über das Praxisprojekt, als Vorbereitung und Hilfestellung für das anstehende Praktikum und der bringt mich nun aber doch langsam aber sicher in Bedrängnis, und zwar mit der einen Frage: „Wo mache ich mein Praktikum?“ Bisher blieb dieses Thema so schön nebulös und zukunftsfern, bis ich auf die Zeile im Lehrbrief stieß: „… die zukünftige Einrichtung ist in einer fünfminütigen Präsentation vorzustellen“. Uups. Und zwar am kommenden Präsenz-Wochenende… Damit habe ich nun nicht gerechnet!

Und stehe vor dem Problem: „Wo soll ich denn mein Praktikum machen?“ Ein paar Einrichtungen schweben mir vor. Schreibprojekte gibt es hier in unserer Stadt nicht sehr viele das heißt, ich muss mir schon was Eigenes ausdenken. Was ja nicht so schlimm ist, im Gegenteil, das finde ich ja eine tolle und spannende Herausforderung. Aber ich hänge. Spüre die Qual der Wahl. Habe meine Ideen und gleich dazu gratis mitgeliefert die Selbstzweifel. Und den spüre den Zeitdruck.SAM_4888

… Literaturhaus…? Ach, da sind lauter Germanisten, da passe ich wohl nicht hin.

… Uni…? Wissenschaftliches Schreiben, Schreibberatung…? – Da bin ich noch nicht so fit.

… Soziale Vereine…? Die kenne ich doch schon, ich sollte doch die Chance nutzen, etwas ganz Neues zu probieren.

… Schreiben im Krankenhaus, im Gefängnis anbieten…? Da bin ich ja oder da war ich ja auch schon (beruflich gesehen…)

Ich weiß, der kleine, nörgelnde, abwertende Teufel sitzt  brav auf der Schulter und ruft mir so tolle Dinge zu. Ich kenne ihn ja grundsätzlich ganz gut und doch hat er gerade ein wenig die Oberhand…Bisher hatte ich die Praxis gefühlt erst in einem Jahr eingeordnet, sehe nun aber die Zeit davonlaufen. Sollte mich mit einem Konzept an eine Einrichtung wenden. Der erste, zarte Versuch blieb erst mal im Netz hängen – ein unverbindliches, freundliches e-mail bringt wohl nicht die erwünschte Zusage.

Also, heute hier an dieser Stelle Selbstreflexion, Motivations-ver…Suche, brrr, mal sehen…

Lernen im Netz, es geht weiter … MOOC

Mein erstes Semester an der ASH ist geschafft, alle Prüfungsleistungen und Übungen erledigt, lediglich ein paar feedbacks  noch ausständig und das heißt für mich, gerade eben ein bisschen  Zeit zu haben. Ich bemerke, dass ich mein Blog vernachlässigt habe (und leider nicht immer nur das Blog…) –  doch da es mir mittlerweile ans Herz gewachsen ist, werde ich es weiter hegen und pflegen, wie man das eben so macht mit etwas, das man liebt…

Lese die Blog-Resumees meiner KommilitonInnen und betrachte das zurückliegende halbe Jahr, ja, durchaus ein wenig entspannt.

Noch weiß ich nicht, ob ich mich zu enthusiastisch zu meinem ersten

MOOC („Massive Open Online Course“), imoox

angemeldet habe.  Aber es macht mich ein wenig stolz,

  •  mit dabei zu sein, es auszuprobieren und
  •  durch das vergangene halbe Jahr unseres Moduls mich ein wenig am Puls der Zeit zu fühlen.

Thema des Moocs ist „Lernen im Netz“. Start war vor einer Woche, wobei diese erste Woche dem virtuellen Kennenlernen gedient hat und seit gestern die Inhalte auf der Lernplattform zu finden sind. In dieser Woche geht es nun um Lerntheorien:  ein spannendes Thema, das ich sicherlich auch in weiterer Folge gut gebrauchen kann, wenn die Zeit für mich gekommen sein wird, Angeboten im Bereich des Schreibens/der Schreibgruppenleitung zu bereiten.

Einige der Lerntherorie-Begriffe sind mir schon auf meiner Reise im Netz untergekommen, nun kann ich sie aber besser ein- und zuordnen:

Behaviorismus, als Lerntheorie, die vor allem das Instrument der Instruktion zum Vermitteln der Lehrinhalte („know that“) verwendet. Das Lehren orientiert  sich an Fakten und vor allem am Output. Der Lehrer vermittelt das Wissen, auf die Vorerfahrungen des Lernenden, die Interaktion mit dem Lernenden wird dabei keine Rücksicht genommen. Vorlesungen, Podcasts, Skripten sind Mittel der Lehre.

Beim Kognitivismus spielt vor allem das Lernen am Modell eine Rolle. Nicht das Faktenwissen, sondern das „know how“ ist hier wichtig. Vorzeigen, üben, nachmachen, Erfolg = Lernergebnis.

Noch stärker als der Kognitivismus wird der Konstruktivismus dem sozialen Lernen zugeordnet („knowing in action“): die Interaktion zwischen den Lernenden steht im Vordergrund, Kooperation der Lernenden und Schaffung gemeinsamer Lösungsansätze sollen gefunden werden. In den Lernsettings sollen die Lernenden selbstorganisiert lernen können: interaktiv, mulitmedial, problemorientiert.

Und als relativ neuer Lerntheorie wird vom Konnektivismus ausgegangen: meint, dass der Mensch kein isoliertes Individuum ist, sondern in Netzwerken lebt, kooperiert und lernt. Im Zentrum hier steht nicht die Wissensvermittlung oder die Weitergaben von Fertigkeiten, sondern das „know where“: wo kann ich relevante, aktuelle Inhalte auffinden, wie kann ich sie auf ihre Gülitgkeit/Halbwertszeit hin bewerten und einordnen. Dazu ist es notwendig, Verbindungen zwischen den einzelnen Wissensgebieten und Kompetenzbereichen herzustellen. Nicht der Wissenserwerb, sondern das Schaffen der Wissensnetzwerke steht im Vordergrund.

Soweit, so gut. Nun kenne ich die ersten beiden Lernmodelle aus meiner Lernsozialisation ausgiebig, beim DSC_0424Konstruktivismus und Konnektivismus stoße ich auf Schwierigkeiten. Für mich hat Lernen überwiegend mit  Wissensvermittlung  im klassischen Sinn zu tun. Erst wenn ich das Gefühl habe, etwas verstanden und begriffen, verinnerlicht zu haben, meine ich, es „gelernt“ zu haben. Das Schaffen von Kooperationen beim Lernen, die Erarbeitung neuer Modelle fühlt sich ungewohnt an und mein Über-Ich muss erst wohl begreifen und akzeptieren, dass Lernen durchaus auch auf anderen Wegen möglich ist und Wert hat.

Selbstorganisierte Lernen hat für mich einen riesengroßen Vorteil herkömmlichen Methoden gegenüber, Lehrende zu erleben, die sich Gedanken um das Lehr-Setting machen, die versuchen, den Studierenden optimale Lernbedingungen  zu bieten, ist neu für mich. Sich zu vernetzen bedeutet  Herausforderung, eine Überwindung von Hemmschwellen.

Um es aus meiner  Meta-Ebene zu interpretieren:  eine Kombination von den verschiedenen Modellen scheint mir die effektivste…